Immobilienmakler oder Hausverwaltung?

9. Februar 2026 | Immobilien-Ratgeber

Teil I: Der Immobilienmakler – provisionsstark, aber volatil

Der klassische Immobilienmakler arbeitet erfolgsabhängig.
Umsätze entstehen nicht kontinuierlich, sondern punktuell – mit teilweise hohen Einzelprovisionen, dazwischen jedoch längeren Leerlaufphasen.

Einnahmenlogik

  • Provisionen nach Verkauf oder Vermietung
  • starke Abhängigkeit von Marktzyklen
  • kein Umsatz ohne Abschluss

Ein sehr gutes Jahr kann von einem deutlich schwächeren abgelöst werden.
Für Banken ist das schwer planbar – selbst bei hohem Durchschnittseinkommen.

Kostenstruktur

  • vergleichsweise geringe Fixkosten
  • Marketing (Portale, Anzeigen)
  • Fahrzeug & Büro
  • kaum materielle Assets

➡️ Hohe Erträge, geringe Besicherung.

Finanzierung aus Banksicht

Makler gelten als:

  • einkommensstark
  • cashflow-unstet
  • sicherheitenarm

Typische Finanzierungen beschränken sich auf:

  • kleine Betriebsmittelkredite
  • Kontokorrentlinien
  • gelegentlich Investitionskredite für Büro / IT

Größere Kredite sind selten – nicht wegen des Berufs, sondern wegen der Zyklizität.


Teil II: Die Hausverwaltung – margenschwach, aber berechenbar

Hausverwaltungen arbeiten anders.
Sie verkaufen keine Leistung, sondern verwalten Verantwortung – und werden dafür regelmäßig vergütet.

Einnahmenlogik

  • monatliche Verwaltungsgebühren
  • langfristige Verträge
  • geringe Schwankungen
  • hohe Wiederholbarkeit

Ein einzelner Auftrag ist klein – in Summe entsteht jedoch planbarer Cashflow.

Kostenstruktur

  • Personal (Verwaltung, Buchhaltung)
  • IT-Systeme
  • Büro
  • kaum Marketing

➡️ Geringe Marge, hohe Stabilität.

Finanzierung aus Banksicht

Hausverwaltungen gelten als:

  • strukturell stabil
  • gut planbar
  • kreditfähig bei sauberer Organisation

Banken finanzieren hier eher:

  • Wachstum (Zukauf von Objekten / Mandaten)
  • Digitalisierung
  • Personalaufbau

Auch Förderprogramme – etwa über die
KfW – lassen sich besser integrieren, da die Planung belastbarer ist.


Der direkte Vergleich

KriteriumImmobilienmaklerHausverwaltung
Einnahmenunregelmäßigregelmäßig
Margenhochniedrig
Planbarkeitgeringhoch
Sicherheitenkaumindirekt (Verträge)
Kreditwürdigkeitschwankendstabil
Wachstummarktabhängigstrukturell

➡️ Banken bevorzugen Berechenbarkeit vor Höhe.


Typische Finanzierungsanlässe

Beim Makler:

  • Marketing & Leadgenerierung
  • Überbrückung schwacher Phasen
  • Büro / Fahrzeug

Bei der Hausverwaltung:

  • Software & Digitalisierung
  • Personalaufbau
  • Übernahme kleiner Verwaltungen

Die Summen sind ähnlich – die Begründung ist es nicht.


Häufige Missverständnisse

  • „Makler verdienen viel, also bekommen sie Kredit.“
    → Banken finanzieren nicht das Potenzial, sondern den Verlauf.
  • „Hausverwaltungen sind klein, also uninteressant.“
    → Banken mögen Monatsumsätze mehr als Einmalprovisionen.

Immobilienmakler und Hausverwaltungen arbeiten im selben Markt – aber in zwei finanziellen Welten.
Der eine lebt von Abschluss und Timing, der andere von Struktur und Wiederholung.

Fazit:
Kreditwürdigkeit entsteht nicht durch hohe Provisionen, sondern durch Planbarkeit.
Wer das eigene Geschäftsmodell realistisch einordnet, wählt auch die passende Finanzierung – und vermeidet Ablehnung aus falschen Erwartungen.