Als ich meinen Immobilienkredit geplant habe, wurde mir ziemlich schnell klar: Der Zinssatz ist wichtig, aber die Tilgung entscheidet, wie lange ich wirklich an diesem Kredit hänge.
Und ob ich in 20 Jahren schuldenfrei bin – oder erst mit 68.
Viele Banken bieten standardmäßig 1 % Tilgung an. Klingt verlockend, weil die monatliche Rate dann niedrig bleibt. Aber ich sage dir ganz ehrlich:
1 % Tilgung reicht heute nicht mehr.
Warum, das zeige ich dir in diesem Artikel. Und ich verrate dir auch, welche Tilgungsstrategie ich gewählt habe – und warum sie sich bis heute gut anfühlt.
Was bedeutet Tilgung überhaupt?
Die Tilgung ist der Anteil deiner monatlichen Rate, der die Schulden tatsächlich reduziert. Der andere Teil ist der Zins.
Wenn du zum Beispiel 300.000 Euro aufnimmst und 1 % Tilgung wählst, bedeutet das:
Du zahlst im ersten Jahr 3.000 Euro zurück – der Rest bleibt offen.
Die monatliche Rate ist dann niedrig, aber du brauchst über 40 Jahre, um schuldenfrei zu sein.
Steigende Zinsen? Inflation? Unerwartete Lebensereignisse? Alles kein guter Mix, wenn man so langsam tilgt.
Warum 1 % Tilgung heute nicht mehr ausreicht
Früher, bei Zinssätzen von 6 oder 7 %, war eine niedrige Tilgung durchaus üblich. Der Zinsanteil war so hoch, dass man sich kaum mehr leisten konnte.
Heute dagegen, bei Zinsen von 3 bis 4 %, wäre mehr drin. Und die Banken erwarten es sogar.
Denn: Je niedriger die Tilgung, desto länger die Laufzeit – und desto höher das Risiko für die Bank.
Viele Banken verlangen heute mindestens 2 % Tilgung. Und aus gutem Grund. Ein Kredit mit 1 % Tilgung würde bei einem Zins von 3,5 % über 45 Jahre laufen – das ist für keine Seite tragbar.
Meine Entscheidung: 2,5 % Tilgung plus Sondertilgungsoption
Ich habe mich nach langem Rechnen für 2,5 % Tilgung entschieden. Das war ein guter Kompromiss aus:
- einer tragbaren Monatsrate
- realistischer Gesamtlaufzeit
- Flexibilität über Sondertilgungen
Mein Ziel war: In rund 20 Jahren schuldenfrei sein – ohne mich dabei zu überfordern. Ich wollte kein Leben, das sich nur um den Kredit dreht, aber eben auch kein Darlehen, das mich bis zur Rente begleitet.
Dazu habe ich mir die Option auf jährliche Sondertilgungen bis 5 % der Darlehenssumme gesichert. So kann ich bei guten Jahren extra tilgen – und in schlechten Jahren einfach meine Rate zahlen.
Was passiert bei höheren Tilgungen?
Je höher die Tilgung, desto schneller bist du durch – logisch. Aber die Auswirkung ist oft unterschätzt.
Ein Beispiel:
- 300.000 Euro Kredit
- 3,5 % Zins
- 1 % Tilgung: Laufzeit ca. 45 Jahre
- 2 % Tilgung: Laufzeit ca. 32 Jahre
- 3 % Tilgung: Laufzeit ca. 25 Jahre
- 4 % Tilgung: Laufzeit ca. 21 Jahre
Wenn du es dir leisten kannst, lohnt es sich enorm, die Tilgung anzuheben – selbst wenn die Monatsrate erstmal 150 Euro höher ist.
Tilgung ist mehr als nur eine Zahl im Vertrag. Sie ist der Schlüssel, wie lange du an deinem Kredit hängst, wie planbar deine finanzielle Zukunft ist – und wie flexibel du wirklich bleibst.
Mein Tipp: Rechne nicht nur mit der Mindestrate, sondern überlege dir ehrlich, wie viel Luft du hast. Ein Prozent mag auf dem Papier nett aussehen – aber du wirst es dir später danken, wenn du mit 60 nicht mehr über Schulden nachdenken musst.