Warum viele Immobilienkäufe eigentlich Fluchtentscheidungen sind

16. Februar 2026 | Immobilien-Ratgeber

Jetzt wird’s unbequem. Nicht jeder Hauskauf ist eine Investitionsentscheidung.
Nicht jeder Immobilienkredit ist strategisch geplant.
Manche sind schlichtweg:
Flucht.
Und ich weiß das, weil ich selbst einmal fast aus den falschen Gründen gekauft hätte.


Flucht vor Mieterhöhungen

„Bevor ich weiter Miete zahle, kauf ich lieber.“
Klingt logisch.
Ist aber oft emotionaler Reflex als kalkulierte Entscheidung.

Angst vor steigenden Mieten kann dich schneller in einen Kredit treiben, als dir lieb ist.
Dabei tauscht du eine Unsicherheit gegen eine andere.
Miete kann steigen – aber Zinsen auch.


Flucht vor Lebensunsicherheit

Manchmal kaufen Menschen, weil sie sich festhalten wollen.
Job unsicher.
Beziehung wackelt.
Lebensphase im Umbruch.

Ein Haus wirkt dann wie ein Anker.
Wie etwas, das Stabilität verspricht.

Aber Beton stabilisiert keine inneren Zweifel.
Er macht sie nur teurer.


Flucht vor dem Gefühl, „zurückzubleiben“

Freunde kaufen.
Kollegen bauen.
Instagram zeigt Terrassen, Neubauten, Gartenpartys.

Und plötzlich fühlt sich Mieten an wie Versagen.

Das ist gefährlich.

Denn Immobilien sind keine Statussymbole.
Sie sind langfristige Verpflichtungen mit Nebenkosten, Risiken und realer Belastung.


Meine eigene Beinahe-Flucht

Ich hatte einmal einen Moment, in dem ich kaufen wollte –
nicht weil es wirtschaftlich Sinn machte,
sondern weil ich das Gefühl hatte, „jetzt müsse ich“.

Alle redeten von Wertsteigerung.
Von historisch niedrigen Zinsen.
Von der einmaligen Chance.

Ich habe gerechnet.
Und gemerkt:
Es passte nur, wenn alles perfekt läuft.

Und nichts läuft jemals perfekt.

Ich habe es gelassen.
Zum Glück.


Die ehrliche Frage, die sich kaum jemand stellt

Kaufst du, weil es strategisch sinnvoll ist?
Oder weil du dich gerade unsicher fühlst?
Weil du etwas kontrollieren willst?
Weil du Angst hast, etwas zu verpassen?
Wenn du ehrlich antwortest, verändert sich oft die Perspektive.


Immobilienkäufe sollten auf Zahlen basieren – nicht auf Nervosität. Nicht auf Gruppendruck. Nicht auf Angst.
Ein Haus kann Freiheit sein. Oder eine sehr teure Reaktion auf ein Gefühl. Und Gefühle sollte man nicht finanzieren.