Der Bausparvertrag: Totgesagte leben länger – Wann sich der „Spießer-Klassiker“ heute wieder richtig lohnt

5. Februar 2026 | Immobilien-Ratgeber

Hand aufs Herz: Wer von euch denkt beim Wort „Bausparvertrag“ nicht sofort an den Bausparfuchs aus der Werbung der 90er Jahre? Oder an den Bankberater der Sparkasse, der einem zur Konfirmation oder zum 18. Geburtstag diesen Vertrag aufgeschwatzt hat, weil „man sowas halt hat“?
Jahrelang war der Bausparvertrag der Witz der Finanzbranche. Warum sollte man Geld zu 0,1 % Zinsen ansparen, wenn man sich Baugeld für 0,8 % bei der Bank leihen konnte? Das machte null Sinn. Das Ding war tot.
Aber: Die Zeiten haben sich geändert. Und wie!
Seit die Bauzinsen wieder Achterbahn fahren und sich eher bei 3,5 % bis 4 % einpendeln, ist der Bausparer plötzlich wieder der heiße Scheiß. Er ist vom verstaubten „Spießer-Produkt“ zur scharfen Waffe gegen steigende Zinsen geworden.

Heute schauen wir uns an, ob ihr den alten Vertrag von Oma rauskramen solltet oder ob ein neuer Abschluss Sinn macht.

Das Prinzip: Erst säen, dann ernten

Für alle, die es vergessen haben (oder verdrängt), hier kurz das Prinzip. Ein Bausparvertrag besteht immer aus zwei Phasen:

  1. Die Ansparphase: Ihr zahlt monatlich Geld ein. Dafür bekommt ihr mickrige Zinsen (vergessen wir die direkt, die sind kaum der Rede wert). Aber: Ihr erwerbt euch damit das Recht auf ein Darlehen.
  2. Die Darlehensphase: Wenn ihr ca. 40 % bis 50 % der Vertragssumme angespart habt und genug Zeit vergangen ist (die berühmte „Zuteilung“), bekommt ihr den Rest der Summe als Kredit.

Und jetzt kommt der Clou: Der Zinssatz für dieses Darlehen steht schon HEUTE fest.
Das ist die Wette, die ihr eingeht.

Ihr schließt heute einen Vertrag ab, der euch garantiert, dass ihr in 7 oder 10 Jahren ein Darlehen für z.B. 1,5 % oder 2 % bekommt.

Wenn die Zinsen am Markt in 10 Jahren bei 6 % liegen, lacht ihr euch ins Fäustchen. Ihr habt euch die Niedrigzinsen „eingefroren“.

Für wen ist das Gold wert?

Ich sage es meinen Kunden immer so: Ein Bausparvertrag ist keine Geldanlage. Es ist eine Zins-Versicherung.

Er lohnt sich besonders für drei Gruppen:

  1. Die Sicherheitsfanatiker: Ihr wollt heute schon wissen, was ihr im Jahr 2032 monatlich an Rate zahlen müsst? Dann ist der Bausparer euer bester Freund. Planungssicherheit ist hier das höchste Gut.
  2. Die Modernisierer (Mein Geheimtipp!): Das wissen die wenigsten. Für Summen unter 50.000 Euro (bei manchen Kassen auch bis 60.000 Euro) verlangen Bausparkassen oft keine Grundschuldeintragung im Grundbuch. Das nennt man Blankodarlehen.Wenn ihr also wisst, dass in 10 Jahren das Dach neu muss oder eine neue Heizung fällig ist: Macht einen kleinen Bausparer über 50.000 Euro. Wenn er zuteilungsreif ist, holt ihr das Geld, saniert das Haus und spart euch die teuren Notarkosten für die Grundschuld. Einfacher kommt man kaum an günstiges Geld für Renovierungen.
  3. Junge Leute mit wenig Geld: Hier lockt der Staat.

Geschenke vom Staat (Wohnungsbauprämie & Co.)

Der Staat will, dass wir bauen. Deswegen buttert er Geld dazu.

  • Wohnungsbauprämie: Wer mindestens 50 Euro im Jahr einzahlt und unter bestimmten Einkommensgrenzen liegt (die wurden 2021 deutlich angehoben!), kriegt 10 % vom Staat obendrauf. Einfach so.
  • Arbeitnehmersparzulage: Wenn euer Chef Vermögenswirksame Leistungen (VL) zahlt, könnt ihr die direkt in den Bausparer fließen lassen und kriegt – je nach Einkommen – nochmal Geld vom Staat dazu.

Das sind keine Reichtümer, aber es läppert sich. Wer diese Förderungen mitnimmt, poliert die magere Rendite in der Ansparphase ordentlich auf.

Wo ist der Haken? (Alex redet Klartext)

Natürlich gibt es Haken. Sonst hätte es ja jeder.

  • Die Abschlussgebühr: Wenn ihr einen Bausparer über 100.000 Euro abschließt, knöpft euch die Bausparkasse direkt zu Beginn meist 1,0 % bis 1,6 % ab. Das sind 1.000 bis 1.600 Euro, die weg sind. Die müsst ihr erstmal wieder reinarbeiten.
  • Die Inflation: Während ihr in der Ansparphase brav euer Geld einzahlt und dafür nur 0,1 % Zinsen bekommt, frisst die Inflation den Wert eures Geldes auf. Real verliert ihr also Kaufkraft. Das lohnt sich nur, wenn ihr später das günstige Darlehen auch wirklich nehmt.
  • Die Starrheit: Man kommt nicht mal eben so an das Geld. Bausparkassen sind behäbige Tanker. Wer schnell Geld braucht, muss oft Vorfälligkeitsentschädigungen zahlen oder lange warten.

„Sofort-Bausparen“ – Der Retter in der Not?

Aktuell bewerben viele Banken das sogenannte Kombi-Darlehen oder Vorausdarlehen.

Das funktioniert so: Ihr kauft JETZT ein Haus. Ihr schließt einen Bausparvertrag ab, der aber noch nicht voll ist. Die Bank gibt euch ein Darlehen, für das ihr nur Zinsen zahlt (keine Tilgung!), und gleichzeitig spart ihr den Bausparvertrag an. Wenn der voll ist, löst er das Bankdarlehen ab.

Klingt genial, ist aber oft teuer und kompliziert.

Hier müsst ihr extrem genau rechnen. Oft zahlt ihr effektiv mehr Zinsen, als wenn ihr einfach ein normales Annuitätendarlehen mit 20 Jahren Zinsbindung nehmt. Lasst euch das nicht als „Rundum-Sorglos-Paket“ verkaufen, ohne den Effektivzins genau zu vergleichen!

Mein Fazit …

Der Bausparvertrag ist rehabilitiert. Er ist wieder salonfähig.
Aber er ist kein „No-Brainer“.
Wenn ihr plant, in 5 bis 10 Jahren eine Immobilie zu kaufen oder zu sanieren, ist er ein mächtiges Werkzeug, um euch gegen steigende Zinsen abzusichern.
Wenn ihr einfach nur Geld sparen wollt: Finger weg. Da bringt jedes Tagesgeldkonto mehr.

Kramt eure alten Verträge mal raus. Wenn da noch ein guter Guthabenzins drauf ist (es gab früher Verträge mit 3 % oder 4 % Zinsen!), dann bloß nicht kündigen! Das ist pures Gold. Die Bausparkassen versuchen gerade alles, um diese alten, teuren Kunden loszuwerden. Bleibt stur!

Bis zum nächsten Mal