Was dir niemand über Eigentümerversammlungen sagt

9. Februar 2026 | Immobilien-Ratgeber

Niemand bereitet dich darauf vor.
Nicht der Makler.
Nicht die Bank.
Nicht einmal andere Eigentümer.

Irgendwann kaufst du eine Wohnung – und plötzlich bekommst du eine Einladung zur Eigentümerversammlung.
Klingt harmlos. Ist es nicht.


Die Illusion vom „kurzen Treffen“

In der Einladung steht meist sowas wie:
„Beginn 18:00 Uhr“
Was nicht dort steht:
„Ende offen, Geduld mitbringen, Snacks empfohlen.“
Ich war beim ersten Mal naiv.
Dachte: eine Stunde, zwei vielleicht.
Am Ende saß ich dreieinhalb Stunden auf einem Klappstuhl und hörte mir an, warum die Farbe des Treppengeländers seit 1998 ein emotionales Thema ist.


Die Charaktere – jedes Mal dieselben

Jede Eigentümerversammlung hat feste Rollen. Immer.
Da ist:

  • Der Dauerredner, der zu jedem Punkt eine Geschichte hat, die mit „Damals…“ beginnt.
  • Die Buchhalterin, die jede Zahl hinterfragt, auch wenn es um 12,50 € geht.
  • Der Misstrauische, der sicher ist, dass die Hausverwaltung irgendwas verheimlicht.
  • Der Schweiger (ich war das am Anfang), der alles beobachtet und sich fragt, wie er hier gelandet ist.

Und irgendwann merkst du:
Du bist jetzt Teil davon. Ob du willst oder nicht.


Die großen Themen – erstaunlich klein

Man denkt, es geht um Dach, Heizung, Fassade.
Man irrt.
Es geht um:

  • Blumenkästen
  • Putzpläne
  • Fahrräder im Hausflur
  • und ob Topfpflanzen auf dem Balkon „das Gesamtbild stören“

Ich habe erlebt, wie zehn Erwachsene ernsthaft 40 Minuten darüber diskutiert haben, ob ein Blumentopf zu modern ist. Spoiler: Er war beige.


Wenn Geld ins Spiel kommt

Spätestens bei Sonderumlagen wird es emotional.
Dann wird aus Diskussion plötzlich Drama.
„Warum müssen wir das jetzt machen?“
„Das geht doch auch nächstes Jahr!“
„Ich hab das Geld grad nicht!“
Und du sitzt da, rechnest im Kopf und merkst:
Eigentum heißt nicht nur planen – es heißt auch gemeinsam aushalten, dass nicht alle gleich ticken.


Eigentümerversammlungen sind kein notwendiges Übel. Sie sind ein Realitätscheck.

Sie zeigen dir:
Eigentum ist nicht nur dein Zuhause.
Es ist ein Kompromiss mit fremden Lebensrealitäten.

Wenn du das akzeptierst, kannst du sogar etwas lernen. Über Geduld. Über Menschen.
Und darüber, warum Demokratie anstrengend ist – sogar im Treppenhaus.